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Nordostseekanal

Das Tor zur Nordsee

Wir hatten uns vorher ausführlich darüber informiert, und doch waren wir gespannt. Wie funktioniert das nun wirklich bei dieser Schleuse? Sollen wir anfunken? Müssen wir zwischen all den grossen Frachtern liegen? Wir wollten das Ganze richtig machen und funkten, wie von den Schleusenwärtern gewünscht, die entsprechende Stelle an. Zwar etwas nervös nahm ich die Sache in die Hand, doch es verlief reibungslos. Der Schleusenwärter gab uns Antwort und meinte, wir könnten demnächst in die alte Schleuse einfahren, wir müssten lediglich auf das Signal warten, ein weisses unterbrochenes Licht. Ok, alles klar. Die Lage entspannte sich etwas.


Wir kreisten noch zirka eine halbe Stunde im Vorareal herum, dann erblickten wir das besagte Signal. Sofort düsten wir los Richtung Schleuse. Wir legten seitwärts an, zusammen mit einem kleinen Motorboot. Wir erlebten sozusagen eine Exklusiv-Schleusenfahrt! Kaum hatten wir die Leinen belegt, ertönte es aus dem Lautsprecher: „Das Schweizer Segelschiff möchte sich bitte sofort zum Hafenkiosk raufbegeben und die Gebühr bezahlen!“ Hui, da rannte ich sofort los, wie von Rentieren gejagt, rauf zum Schleusenmeister. Der erwartete mich freundlich, er schmunzelte sogar, wie viele andere, denn eine Schweizer Flagge sieht man hier oben nur ganz, ganz selten.


Dann rannte ich wieder hinunter und schon von weitem rief mir Roger zu, ich solle mich beeilen. Das Schleusentor öffnete sich bereits wieder. Ich kam also nichts mit über, wie sich die Wassermassen hinaufschieben. Alles ging fürchterlich schnell. Ehe ich mich versah, standen wir im Kanal und gaben Gas. Segeln ist verboten, es darf lediglich ein Stützsegel verwendet werden, gefahren wird unter Motor. Wir wissen jetzt auch wieso: Hier geht es zu wie auf der A7 Hamburg-Kassel! Statt Lastwagen überholen einen Frachtschiffe in Hülle und Fülle. Zum Teil kreuzen sich zwei dieser Kolosse und du fährst ganz nah am Ufer entlang und wirst von den üppigen Wassermassen und Wellen, die sie verdrängen, kräftig durchgeschüttelt. Einen Shaker brauchst du hier nicht mehr an Bord! Ein irres Erlebnis, diese Kanalfahrt. Trotz des Frachtverkehrs sind wir hier von üppiger Natur umgeben, was die Durchfahrt zu einem tollen Erlebnis macht. Wir nehmen uns auch hier die Zeit, um die umliegenden Seen und engen Nebenkanäle innerhalb dieses Kanales zu entdecken.


Brunsbüttel, das Tor zur Nordsee

Ich kann mir vorstellen, ihr glaubt mir langsam aber sicher nicht mehr, wenn ich euch erzähle, dass wir wieder festsitzen aufgrund der Wetterlage! Es ist zum Verzweifeln – der Navtex hat überall in den umliegenden Gebieten eine Sturmwarnung von 8 bis 10 Beaufort durchgegeben. Die Häfen hier sind alle pumpsvoll. Alle beklagen sich über dieses stetige, seit geraumer Zeit ruppige Wetter. Uns geht es nicht anders. Wir sind es langsam leid, seit April in Thermohosen, Ölzeug und Faserpelz rumzurennen. Und dann noch ständig diese Stürme, so kommen wir einfach nie richtig weiter. Aber inzwischen nehmen wir das locker. Wir haben ja eigentlich Zeit und müssen zu keinem Datum irgendwo sein, wenn hier nur der Sommer einkehren würde, der fehlt uns schon etwas. Wir haben mit etlichen Einheimischen gesprochen, sei es nun mit Dänen, Norddeutschen oder Holländern – alle sagen das Gleiche, diese Wetterlage seit ein paar Wochen ist nicht üblich. Sogar diese „Nordströmler“ nerven sich und sind sich diese Kälte und die starken Winde in diesem Ausmasse oder Regelmässigkeit nicht gewohnt! Na super, ausgerechnet jetzt, wo wir unterwegs sind, müssen solche Ausnahmezustände eintreffen.


Egal, dann nehmen wir uns eben mehr Zeit, das Land per Fuss zu entdecken. Das Wichtigste für uns ist und bleibt, die Auszeit zu geniessen, mal weg vom Alltag zu sein, nicht zu wissen, was morgen ist oder was wir morgen für einen Tag schreiben, frei von allem zu sein – ein wirklich unbeschreibliches Gefühl, das selbst alle Starkwinde, Pleiten und Pannen nicht zerstören können.


Ein weiterer Vorteil ist, wenn man in einem Hafen festsitzt, dass man interessante Bekanntschaften mit erfahrenen „Seebären“ aus aller Welt macht. Und wir geniessen wie immer die Situation des Nest-häkchens unter der eher gesetzteren Gesellschaft und vor allem mit der Schweizer Flagge! Ein cooles Holländer-Paar hat uns sogar noch eine alte Karte von den Gewässern in Holland geschenkt und uns gute Tipps mit auf den Weg gegeben. Diese können wir sehr gut gebrauchen.